Vutsch
Magirus 130 D 9 am Folgetag 2

Das neue Vutschmobil: Magirus-Deutz 130 D 9

Der Titel verrät es schon, ist aber nicht ganz präzise, denn genauer gesagt handelt es sich beim neuen Vutschmobil um einen Magirus-Deutz FM 130 D 9 FA, ein ehemaliges Fahrzeug der Feuerwehr, welches über Allradantrieb verfügt. Also eine wunderbare Basis für ein derzeit so beliebtes Expeditionsmobil, kurz “Exmo” genannt. Die Preise für diese Fahrzeuge steigen in exorbitante Höhen und auch die Basisfahrzeuge werden immer teurer. Ich konnte den hier gezeigten Magirus zu einem vertretbaren Preis erwerben, doch dazu später mehr. Zuerst folgt eine kleine Zeitreise.

Magirus 130 D 9 Kauf
Magirus 130 D 9 Kauf

Geländeaffinität

Da sprang das kleine Matchbox-Auto über die im Sandkasten geformte Rampe und der kleine Marco hatte sichtlich Spaß. Es ist ein kleiner Geländewagen, denn schließlich sind Geländewagen cool. Colt Seavers fuhr einen coolen Pick-up in “Ein Colt für alle Fälle” und mein Vater einen ebenfalls amerikanischen Allradler Ende der 70er Jahre, als der Dollarkurs günstig stand. In einer Autozeitschrift sah ich dann mal einen Unimog und war begeistert von der Geländegängigkeit. Rund 40 Jahre später ist es dann so weit. Nach einem ehemaligen Paketwagen, zwei Alkovenwohnmobilen und einem Wohnbus bin ich total im Offroadfieber, als ich mit letztgenanntem Fahrzeug auf einem Campingplatz in Dünkirchen einparke und kurze Zeit darauf ein Unimog den Platz gegenüber belegt.

Magirus 130 D 9 am Folgetag 1
Magirus 130 D 9 am Folgetag 1

Braucht man ein Allradfahrzeug?

Natürlich frage ich den Unimogpiloten, wie oft er schon im Gelände war. Die ernüchternde Antwort: Er war kurz nach dem Kauf mal in der heimischen Kiesgrube und seitdem nur auf der Straße unterwegs. Die Antwort lautet also ganz klar: Jein. Es hängt von den eigenen Reisezielen ab. Wenn man nur in Europa auf halbwegs befestigten Straßen unterwegs ist, macht ein Allradler keinen Sinn. Man schleppt dann nur weitere Technik mit sich herum, die kaputtgehen kann, das Gewicht und den Verbrauch erhöht. Für alles andere kann der Allradantrieb natürlich durchaus Sinn machen. Aber sind wir ehrlich: bei solchen Fahrzeugen stellt sich die Frage nach Sinn und Unsinn gar nicht. Man hat da einfach Lust drauf oder nicht. Rational ist das nicht zu erklären.

Auf den Magirus gekommen

Also wird nach Offroadfahrzeugen geschaut, die als Wohnmobilbasis dienen können. Die alten Mercedes Kurzhauber sind Fahrzeuge, die eine gewisse Freundlichkeit versprühen, überall gerne gesehen und auf der ganzen Welt im Einsatz sind. Ideal eigentlich. Wenn nur die Preise in der letzten Zeit nicht so abartig explodiert wären. 25.000 Euro für ein ausgemustertes BGS-Fahrzeug sind kein Problem mehr. Bei den Unimogs schaut es ähnlich aus. Taugliche Basisfahrgestelle starten oft bei 15.000 Euro im teilweise fragwürdigen Zustand. Fertig um- / ausgebaute Fahrzeuge können bis zu sechsstellige Preise verzeichnen. Alles osteuropäische ist mir auch aufgrund der fragwürdigen Ersatzteillage zu exotisch.

Schränkt man die Preise ein, landet man gerne mal bei Hanomag AL 28, die eine große Fanbase haben. Ich wurde aber vor der Bremsanlage gewarnt und Höchstgeschwindigkeiten von 73 km/h oder ähnlich finde ich auch nicht so ansprechend. Dann bleiben noch diverse Magirus-Deutz oder Iveco als Nachfolger übrig. Auch hier steigen die Preise langsam, aber mit etwas Zeit kann man noch den ein oder anderen Schnapper machen.

Entdeckung des Magirus-Deutz 130 D 9

Das erste mal stolpere ich über Bernds Magirus bei eBay Kleinanzeigen, speichere ihn weg. Dann sehe ich ihn im Forum der Allrad-LKW-Gemeinschaft (ALG), in dem ich zu derzeit alle Angebote verfolge. Es wird auf die erwähnte Anzeige hingewiesen und festgestellt, dass der Magirus einem Forenmitglied gehört und sich technisch in einem guten Zustand befindet. Den Preis findet man sogar zu günstig. Kurze Zeit darauf meldet sich der Besitzer und teilt im Forum mit, dass sich zum höheren Preis niemand gemeldet hat. Ich nehme Kontakt auf, frage einige Dinge ab, erhalte viele Fotos. Dann zeige ich den Wagen einem Kumpel, der ohne Abschweife davon abrät. Ich vertraue auf sein Urteil und lösche den “Maggi” von meiner Merkliste.

Irgendwie lässt er mich aber nicht los. Immer wieder mal wird er mir auf der Startseite der App des Kleinanzeigenportals angezeigt. Irgendwann speichere ich ihn wieder weg. Ich beginne damit, mir andere Fahrzeuge dieser Art auf Instagram und Youtube anzuschauen. Mich interessiert, wie die jeweiligen Besitzer die Aufteilung vorgenommen haben, was sie umgebaut oder einfach so gelassen haben. Irgendwann nehme ich erneut Kontakt auf, kläre weitere Fragen und ehe ich mich versehen kann, sitze ich auch schon im Zug nach Hamburg.

Magirus 130 D 9 und ich
Magirus 130 D 9 und ich

Der Kauf

Mit Verkäufer Bernd verstehe ich mich sofort. Ich mag seine Einstellung, er meine Ideen zum Magirus. Die Probefahrt fördert nichts Unerwartetes zutage, enthält sogar einen Offroadeinsatz (mit zwei Rädern im Dreck neben der Fahrbahn) und so wechseln nach einigen Tassen Kaffee und einer kurzen Preisverhandlung die Papiere und Fahrzeugschlüssel den Besitzer. Bernd ist ein wenig traurig, aber der Nachfolger steht schon in der gleichen Parkreihe. Ein Foto und ein Video zum Abschied und ich verlasse Hamburg in einer ehemaligen Feuerwehr, die schon beim ersten Tankstopp für positiven Gesprächsstoff sorgt. 500 Kilometer weiter und etliche Stunden später, genauer gesagt um 3.30 Uhr mitten in der Nacht, parke ich den Koloss neben dem Haus.

Und nun wartet er auf den Aus- und Umbau und meinen Einzug. Erste Schritte sind gemacht. Doch dazu mehr im nächsten Blogbeitrag zum “Büffel”, wie er bei der Feuerwehr genannt wurde. Hier ist er das neue Vutschmobil. Nachfolgend noch ein paar Bilder vom Kauf und den Folgetagen.

4 Kommentare

  1. Schöner Magirus, schnell, sparsam und wüstentauglich, die Reifen sind für Fahrten im Sand optimal und leise. Viel Spaß mit den Breitreifendeutz

    Gruß
    Bernd

  2. Herzlichen Glückwunsch zum neuen Vutschmobil,
    wo ist denn das Bild in der Kopfzeile entstanden? Irgendwie erinnert mich das massiv an den Aachener Waldfriedhof. Da war ich früher mal öfter unterwegs, weil meine beiden Aachener Großeltern dort ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

    Inzwischen habe ich ja beruflich eine gewisse Affinität zu postgelben Fahrzeugen entwickelt, falls mal wieder Lust auf einen Paketbeschleuniger sein sollte, könnte ich mir vorstellen, dass der Iveco Daily vielleicht auch interessant sein könnte, da kommen gerade bei der Post einige Fahrzeuge ans Ende Ihrer Lebenszeit, vielleicht bietet sich da die eine oder andere Möglichkeit, vom Format her könnten die ja vielleicht auch interessant sein.

    Aber erstmal viel Spaß mit dem Magirus, allzeit gute Fahrt wünscht

    Andreas

    1. Hallo Andreas,

      vielen Dank.
      Das Bild entstand neben dem Parkplatz vom Waldfriedhof.

      Von Paketbeschleunigern bin ich noch immer überzeugt, wenn es auch gewisse Nachteile gibt. Derzeit bin ich aber gut bedient.

      Gruß
      Marco

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.